Wahlkampf an der Mittelschule Holzkirchen

Wahlergebnis im Schaubild


Während der vergangenen Woche hatten sich die Mittelschüler des Markts Holz-kirchen intensiv und auf eine sehr besondere Weise mit der Thematik der Bun-destagswahl auseinandergesetzt. In einem groß angelegten Planspiel durften die Jugendlichen aus den Jahrgangsstufen 7 bis 9 eigene, schulinterne Parteien gründen und eine ganze Woche lang aktive Politik betreiben. So entstanden bei-spielsweise in der Klasse 9a die PfJ (Partei für Junge), in der 8a die MFP (Mehr Freizeit-Partei) und in der 7b die SPfK (Soziale Partei für Kinder). In jeder Partei gab es eine festgelegte Arbeitsteilung, in der sich die entsprechenden Gruppen mit der Entwicklung eines Parteiprogramms, Öffentlichkeitsarbeit und Recherche nach den Grundsätzen einer demokratischen Wahl befassten. Die unabhängige Pressegruppe gestaltete an jedem Tag eine eigene Planspielzeitung, die Inter-views mit den Spitzenkandidaten, Prognosen, Meinungs- und Stimmungsbilder sowie Zusammenfassungen des aktuellen Tagesgeschehens veröffentlichte. Die Parteiprogramme hatten gemeinschaftlich das Ziel, die Situation der Mittelschü-ler vor Ort mit selbst erdachten Inhalten zu verbessern. Dabei ergaben sich kun-terbunte Ideen, welche im Verlauf des Planspiels mit mehr oder weniger Nach-haltigkeit vertreten wurden. Die Spanne reichte von „späterer Schulbeginn“, „während den Proben Musik hören“, „Schüler entscheiden, welche Fächer sie haben“ bis hin zu „einen Hobbyraum einrichten“ und „Digitalisierung der Schul-bücher“. Einige Vorschläge hatten dabei unabhängig von der fiktiven Spielebene durchaus Gehalt und werden auch auf realer Ebene weitere Beachtung finden, z.B. die Modernisierung einiger Klassenräume oder Vorschläge für bestimmte Projekte.
Höhepunkt der Planspielwoche war zum Abschluss die öffentliche Podiumsdis-kussion der Spitzenkandidaten. Wortgewandt gaben die Parteienvertreter hier ihre letzten Statements ab und beantworteten Fragen aus dem Publikum. Mode-riert wurde die Veranstaltung von Rektor Christian Turnwald: „Ich war erstaunt, mit welcher Selbstsicherheit und auch mit welcher Korrektheit die Kandidatinnen
und Kandidaten ihre Sache vertraten. Da könnte sich so mancher Politiker eine Scheibe abschneiden.“ – Zu den wichtigsten Aufgaben einer Schule gehört laut Turnwald die Erziehung nach demokratischen Grundsätzen und Werten. „Das Planspiel ist eine ganze Woche lang gelebte Demokratie. Die Schülerinnen und Schüler erleben hautnah, was es bedeutet, eigene Ideen zu vertreten und sich mit den daraus ergebenden Konsequenzen sowie den vorherrschenden Meinun-gen auf eine gute Weise auseinanderzusetzen.“
Das „Wahlvolk“ stellten die Fünftklässler dar, welche erst seit wenigen Tagen die Mittelschule besuchen und auf diese Weise gleichzeitig ihre neuen Mitschülerin-nen und Mitschüler kennenlernten. Mit 48 Prozent holte übrigens die Partei für Junge, deren Spitzenkandidat Siad El Sebai aus der 9a auch noch das einzige Di-rektmandat erringen konnte, den Wahlsieg. Zur Regierungsbildung stehen der PfJ insgesamt vier mögliche Koalitionspartner zur Verfügung, was im Vergleich zur Bundestagswahl eine sehr komfortable Situation aus Sicht der stärksten Frak-tion darstellt.